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德语:俄罗斯的石油交易面临压力

委内瑞拉领导人尼古拉斯·马杜罗被绑架两周后,莫斯科仍沉浸在震惊之中。俄罗斯当局既没有预料到美国会进行军事干预,也没有预料

委内瑞拉领导人尼古拉斯·马杜罗被绑架两周后,莫斯科仍沉浸在震惊之中。俄罗斯当局既没有预料到美国会进行军事干预,也没有预料到弗拉基米尔·普京外交政策体系中最稳定的象征之一会如此迅速地崩塌:马杜罗是克里姆林宫的长期盟友,在莫斯科被视为“反西方俱乐部”的关键成员。去年,他访问了俄罗斯首都,并在5月9日的阅兵式上亮相——这对普京来说几乎具有神圣的意义。

失去这样一位盟友引发了截然不同的解读:一些人认为这是普京经济秩序走向终结的开始,而另一些人则认为这是局势升级新阶段的开端。

造成此次冲击的最重要原因是石油。在战争和制裁的背景下,石油收入仍然是俄罗斯经济的命脉。全球石油市场的任何剧烈变化都被莫斯科视为迫在眉睫的威胁。

俄罗斯石油出口形势已然不利。据我的消息来源称,最近几周,俄罗斯向印度出售了一批石油,价格约为每桶22美元——几乎是世界市场平均价格的三分之一。实际上,这很可能意味着俄罗斯以接近或等于生产成本的价格出售石油。在这种情况下,任何对全球石油市场的重大冲击——至少在心理层面上——都只会加剧俄罗斯岌岌可危的处境。正因如此,委内瑞拉局势从一开始就被莫斯科视为坏消息,甚至在实际经济后果尚未显现之前就已如此。

与此同时,我的消息来源一致认为:不会立即出现崩溃。委内瑞拉石油目前仅占全球产量的约1%,而将日产量从100万桶提高到300万桶需要十年时间,并且需要巨额投资。我在莫斯科的联系人认为,形势将逐渐对俄罗斯越来越不利,但这是一个缓慢而渐进的过程。这意味着继续战争所需的资源将逐渐减少——但普京至少还能再维持两年战争。

在莫斯科,另一种同样令人担忧的解读正在被讨论。委内瑞拉政变不仅被理解为一场石油战争,也被理解为一场金融战争。美国总统唐纳德·特朗普曾表示,俄罗斯和中国可以通过美国公司以美元支付,并按照美国的条件购买委内瑞拉石油,这一表态显然被解读为特朗普的言论。近年来,克里姆林宫一直在推行摆脱美元依赖的战略:以人民币向中国出售俄罗斯石油,建立一支“影子船队”以在制裁下继续出口俄罗斯石油,以及采用非美元结算方式。

所有这些策略都基于一个核心假设:西方的对手将保留获得替代石油来源和独立供应路线的渠道。而现在,莫斯科认为,这些渠道已被摧毁。二十年来,俄罗斯向委内瑞拉前总统乌戈·查韦斯和马杜罗的政权投入了武器和资源,而中国则提供了总额达数百亿美元的贷款,以未来的石油交付为抵押,其中至少有100亿美元至今仍未偿还。如今,这些安全保障实际上已落入华盛顿手中。

俄罗斯国内的政治反应与经济反应同样耐人寻味。在入侵委内瑞拉当天,今日俄罗斯电视台(RT)总编辑玛格丽塔·西蒙尼扬在其电报频道上发布了一条意味深长的信息:“我们会羡慕的,贝利亚同志”——这暗示在她看来,即使是斯大林时代的刽子手拉夫连季·贝利亚,其残暴程度也远不及“特朗普的美国”。

后来,她在俄罗斯第一宣传频道(俄罗斯1)的节目中详细阐述了这一观点,宣称一个新时代已经开启,在这个时代,西方甚至不再假装尊重人权——而俄罗斯也“不再有任何可耻之处”。西蒙尼扬认为,“一切都已不复存在——没有权利,没有自由”,而这个新时代可以用俄罗斯诗人伊万·克雷洛夫的一则寓言中的一句谚语来形容:“你之所以有罪,仅仅是因为我想吃掉你。”

西蒙尼扬断言,唐纳德·特朗普奉行“不打破鸡蛋就做不出煎蛋卷”的原则:当地缘政治目标受到威胁时,人的生命就显得无关紧要。她的语气与其说是谴责,不如说是尊重和隐晦的赞扬。她要求俄罗斯必须效仿特朗普的做法,并且不能落后。

西蒙尼扬在同一场演讲中,将特朗普描绘成典型的美国掠夺者:他是乘坐“五月花号”抵达美洲的人之一,是制定门罗主义并将这片土地视为上帝恩赐的人之一,也是向美洲原住民分发感染天花病毒的毯子的人之一。“这甚至不是里根,”西蒙尼扬辩称,“他那种摧毁一切的野心,是林肯。这对美国人有好处吗?对他们有好处。但对其他人没有好处。狼吃饱了,羊就死了。”

俄罗斯前总统德米特里·梅德韦杰夫的抨击更加尖锐。他在自己的电报频道上写道:“在这次由美国人组织的安息日行动结束后,美国精英——无论是共和党人还是民主党人——都应该永远闭嘴。”只需承认俄罗斯在特别军事行动框架内的行动合法即可。

这种言论本身就是一种征兆。委内瑞拉造成的经济冲击恰逢一次彻底的意识形态断裂:甚至连普世价值的正式语言都被抛弃了。莫斯科此前指责西方虚伪,而如今的新信息是:我们一直都是对的。从这个意义上讲,委内瑞拉不仅成为了一个经济分水岭,也成为了一个道德分水岭。以暴力为唯一世界法则的论调不再隐晦,而是被公开接受为常态。然而,莫斯科越来越难以在这种武力姿态之外提供任何实质性的东西。

Zwei Wochen nach der Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro, steht Moskau noch immer unter Schock. Die russischen Behörden hatten nicht mit einem militärischen Eingreifen der USA gerechnet, und auch nicht damit, dass eines der stabilsten Symbole von Wladimir Putins außenpolitischer Konstruktion so schnell zusammenbrechen würde: Maduro ist ein langjähriger Verbündeter des Kreml, eine Figur, die in Moskau als wichtiges Element des »antiwestlichen Klubs« galt. Im vergangenen Jahr war er in die russische Hauptstadt gereist und bei der Militärparade am 9. Mai stand er auf der Bühne – ein Ritual von nahezu sakraler Bedeutung für Putin.

Der Verlust eines solchen Verbündeten wird sehr unterschiedlich interpretiert: Die einen sehen darin den Anfang vom Ende der putinschen Wirtschaftsordnung, die anderen hingegen den Auftakt zu einer neuen Phase der Eskalation.

Der wichtigste Grund für den Schock ist das Öl. Unter den Bedingungen von Krieg und Sanktionen bleiben die Einnahmen aus dem Ölgeschäft die zentrale Lebensader der russischen Wirtschaft. Jede radikale Veränderung auf dem globalen Ölmarkt wird in Moskau als unmittelbare Bedrohung wahrgenommen.

Schon jetzt ist die Lage für den russischen Ölexport ungünstig. In den vergangenen Wochen verkaufte Russland meinen Quellen zufolge eine Lieferung Öl an Indien zu einem Preis von rund 22 Dollar pro Barrel – fast dreimal niedriger als der durchschnittliche Weltmarktpreis. De facto dürfte dies einen Verkauf unter oder nahe den Produktionskosten bedeuten. In einer solchen Situation kann jede größere Erschütterung des globalen Ölmarktes – zumindest psychologisch – die Lage Russlands nur weiter verschärfen. Genau deshalb wurden die Ereignisse in Venezuela in Moskau von Anfang an als schlechte Nachricht wahrgenommen, noch bevor ihre realen wirtschaftlichen Folgen absehbar waren.

Gleichzeitig sind sich meine Quellen einig: Ein unmittelbarer Zusammenbruch ist nicht zu erwarten. Venezolanisches Öl macht heute nur etwa ein Prozent der weltweiten Förderung aus, und eine Steigerung der Produktion von einer auf drei Millionen Barrel pro Tag würde zehn Jahre dauern und enorme Investitionen erfordern. Die Situation, vermuten meine Gesprächspartner in Moskau, werde für Russland zunehmend ungünstiger, aber langsam und schrittweise. Das bedeutet, dass die Ressourcen für die Fortsetzung des Krieges allmählich schwinden werden – Putin werde jedoch mindestens noch zwei Jahre in der Lage sein, den Krieg weiterzuführen.

In Moskau wird zudem eine andere, nicht minder beunruhigende Interpretation diskutiert. Der Umsturz in Venezuela wird nicht nur als Öl-, sondern auch als Finanzkrieg verstanden. Die Erklärung von US-Präsident Donald Trump, Russland und China könnten venezolanisches Öl kaufen, allerdings über amerikanische Unternehmen, in Dollar und zu amerikanischen Bedingungen, wurde eindeutig gelesen. Der Kreml hatte in den vergangenen Jahren eine Strategie der Abkehr von der Dollarabhängigkeit propagiert: der Verkauf russischen Öls an China gegen Yuan, der Aufbau einer Schattenflotte, um trotz Sanktionen weiterhin russisches Öl zu exportieren, Abrechnungen außerhalb des Dollars.

Diese gesamte Konstruktion beruhte auf einer zentralen Annahme: dass die Gegner des Westens Zugang zu alternativen Ölquellen und unabhängigen Lieferwegen behalten würden. Nun, so die Überlegung in Moskau, sei dieser Zugang zerstört worden. Russland hatte 20 Jahre lang Waffen und Ressourcen in die Regime der ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und Maduro investiert, China hatte Kredite in Höhe von mehreren Dutzend Milliarden Dollar gegen zukünftige Öllieferungen vergeben, von denen mindestens zehn Milliarden noch ausstehen. Dieses Pfand befindet sich nun faktisch in den Händen Washingtons.

Die politische Reaktion innerhalb Russlands erwies sich als nicht weniger aufschlussreich als die wirtschaftliche. Am Tag der Invasion in Venezuela veröffentlichte die Chefredakteurin von »RT«, Margarita Simonjan, einen kryptischen Eintrag auf ihrem Telegram-Kanal: »Wir werden neidisch sein, Genosse Berija« – in Anspielung darauf, dass selbst der stalinistische Henker Lawrentij Berija ihrer Ansicht nach nicht das Maß an Grausamkeit erreicht habe, das »Trumps Amerika« nun zeige.

Später führte sie diesen Gedanken in einer Sendung des Propagandakanals »Rossija-1« weiter aus und erklärte, es habe eine neue Epoche begonnen, in der der Westen nicht einmal mehr so tue, als respektiere er die Menschenrechte – und Russland müsse sich ebenfalls »nicht mehr schämen«. Nach Simonjans Darstellung gebe es »nichts mehr – keine Rechte, keine Freiheiten«, und die neue Epoche lasse sich mit der Formel »Du bist schon deshalb schuldig, weil ich dich essen will« beschreiben – ein Zitat aus einer Fabel des russischen Dichters Iwan Krylow.

Donald Trump, so Simonjan, handle nach dem Prinzip »Wo gehobelt wird, fallen Späne«: Menschenleben spielten keine Rolle, wenn ein geopolitisches Ziel auf dem Spiel stehe. In ihrem Tonfall klang dabei weniger Verurteilung mit als vielmehr Respekt und verstecktes Lob. Russland, so ihre Forderung, müsse sich daran ein Beispiel nehmen und nicht zurückbleiben.

Im selben Auftritt wurde Trump als archetypischer amerikanischer Raubtier-Typus dargestellt: einer von denen, die mit der »Mayflower« ankamen, einer von denen, die die Monroe-Doktrin formulierten und dieses Land als gottgegeben betrachteten; einer von denen, die mit Pocken verseuchte Decken an die Indigenen verteilten. »Das ist nicht einmal Reagan«, argumentierte Simonjan, »nach seinen Ambitionen, alles niederzuwalzen, das ist Lincoln. Ist das gut für die Amerikaner? Für sie ist es gut. Für alle anderen nicht. Wenn der Wolf satt ist, ist das Lamm tot.«

Noch grober äußerte sich der ehemalige russische Präsident Dmitrij Medwedew. In seinem Telegram-Kanal schrieb er: »Unmittelbar nach dem von den Amis veranstalteten Sabbat sollten die amerikanischen Eliten – sowohl die republikanischen als auch die demokratischen – ihre langen Zungen für immer in ihre rachitischen Hintern stecken. Und einfach die Rechtmäßigkeit der russischen Handlungen im Rahmen der militärischen Spezialoperation anerkennen.«

Diese Rhetorik ist als Symptom von Bedeutung. Der wirtschaftliche Schock durch Venezuela fällt zusammen mit einem endgültigen ideologischen Bruch: der Abkehr selbst von der formalen Sprache universeller Werte. Wenn Moskau früher behauptete, der Westen sei heuchlerisch, lautet die neue Botschaft: Wir hatten immer schon recht. In diesem Sinne ist Venezuela nicht nur zu einer wirtschaftlichen, sondern auch zu einer moralischen Zäsur geworden. Die Rechtfertigung von Gewalt als einzigem Gesetz der Welt wird nicht mehr verborgen, sondern demonstrativ als Norm akzeptiert. Nur wird es für Moskau zunehmend schwieriger, außer dieser martialischen Pose noch etwas Substanzielles vorzulegen.